Multnomah Falls

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Es gibt diese Sehenswürdigkeiten, um die kommt man einfach nicht herum. Wer nach Paris fährt, bringt bestimmt ein Foto des Eiffelturms mit nach Hause. Wer zum ersten Mal in den Südwesten der USA fährt, hat ziemlich sicher einen Besuch beim Grand Canyon auf dem Programm und in Sydney wird wohl jeder mal einen Blick auf die Oper werfen. Diese Orte sind alles andere als ein Geheimtipp, die Massen drängen sich dort, der “Kenner” rümpft daher ein wenig die Nase, aber ein Besuch dort ist nun Mal Pflicht und diese Ziele sind ja auch nicht umsonst so bekannt. Sie sind eben auch einfach beeindruckend. In der Columbia River Gorge spielen die Multnomah Falls diese Rolle und so komme ich dann auch nicht umhin, meinen Blog mit den meistfotografiertesten Wasserfällen des Nordwestens zu beginnen.

Herbst an den Multnomah FallsDie Amis lieben ihre Statistiken und so lernen wir, dass die Multnomah Falls die zweithäufigst besuchteste Touristenattraktion im Staate Oregon und der zweithöchste permanente Wasserfall der USA ist. Beides klingt plausibel, aber ich misstraue solchen Statistiken inzwischen ganz gewaltig und so habe ich ein wenig recherchiert. Erstere Aussage scheint zu stimmen, nur das Spirit Mountain Spielkasino zwischen Salem und Lincoln City sieht mehr Besucher als Multnomah Falls und das auch erst seit ein paar Jahren. Was den angeblich zweithöchsten Wasserfall der USA angeht, ich habe so viele höhere gefunden, dass ich mir nicht mehr die Mühe gemacht habe zu gucken, ob Multnomah Falls nun der 42- oder 187-höchste Wasserfall der USA ist. Selbst im Nordwesten gibt es Wasserfälle die mehr als dreimal so hoch wie Multnomah Falls sind. Es mag also eine Menge höhere Wasserfälle geben, aber auch wenn Schönheit nicht messbar ist, so dürften die Multnomah Falls in dieser Kategorie dennoch einen absoluten Topplatz belegen.

Der obere Teil fällt nahezu senkrecht beeindruckende 165m in einen halbrunden Kessel und der leicht versetzte untere Teil hat nochmal eine Höhe von 21m. Die steinerne Benson Bridge überspannt seit 1914 den unteren Fall und trägt ganz entscheidend zum besonderen Charakter des Wasserfalls bei.

IMG_9545frUm den Tourismus anzukurbeln wurde nach der Benson Bridge 1925 auch noch die rustikale Multnomah Falls Lodge gebaut, die heute ein kleines Visitors Center, ein etwas zu teures Restaurant, eine Bar, den obligatorischen Andenkenladen und – ganz wichtig – Toiletten beherbergt. Neben der Lodge gibt es einen kleinen Verkaufsstand der kleine Snacks und je nach Jahreszeit kalte Getränke zum Erfrischen oder heisse zum Aufwärmen anbietet. Wer sich die Steinmauer neben dem Stand genauer ansieht entdeckt ein nettes kleines Detail: Steine mit den Namen wichtiger Farne der Gorge in Englisch und Latein. Eigentlich war geplant, dass dieselben dann auch noch passend aus Spalten in der Mauer wachsen sollten, aber da haben die Farne nicht mitgespielt.

Wie es sich für die zweitmeist besuchteteste Attraktion im Staate gehört sind die Multnomah Falls verkehrsmässig gut erschlossen. Neben dem grossen Parkplatz am Historic Highway gibt es noch einen weiteren sogar etwas grösseren der sich zwischen die beiden Fahrspuren der Autobahn I-84 zwängt und demnach nur über etwas exotische Linksaus- und einfahrten zu erreichen ist. Beide Parkplätze sind nur durch einen Fussgängertunnel verbunden, so dass man mit dem Auto hier nicht zwischen Historic Highway und I-84 hin- und herwechseln kann. Fotografen, die am Historic Highway parken, sollten aber durchaus mal kurz auch zu dem Parkplatz am I-84 gehen, da man dort einige interessante Perspektiven auf den Wasserfall aus ein wenig mehr Entfernung bekommt.

IMG_4653frVon den Parkplätzen geht es nur ein paar Stufen hoch zu der Aussichtsplattform unterhalb der Fälle, von wo aus wahrscheinlich 99.9% der Fotos des meistfotografiertesten Wasserfalls des Nordwestens geschossen werden. Wem es hier etwas voll und rummelig ist, der sei erinnert, im Spirit Mountain Casino ist noch mehr los. Es lohnt sich auf jeden Fall von dort den kurzen Weg hoch zur Benson Bridge zu machen auch wenn man dort auch nicht wirklich allein ist.

IMG_3220bfrEin interessantes Detail ist der Felsbrocken am Fuße der oberen Fälle, dessen Größe auf den Schautafeln mit einem Schulbus vergleichen wird. Bis 1995 war der flache Teil zwischen den Fällen ein beliebtes Plantschbecken für abenteuerlustige Kinder und Jugendliche, die mit dem Einsammeln von Münzen aus aller Herren Länder, die Touristen dort hineingeworfen hatten, ihr Taschengeld aufbesserten. Dann kam eines Tages der viele Tonnen schwere Felsbrocken von der Spitze der Fälle herabgerauscht. Das hatte zwei Dinge zur Konsequenz: die Hochzeitsfotos, die ein Fotograf gerade von einem Brautpaar vor den Fällen schiessen wollte, waren ruiniert und der Zugang zum Pool wurde gesperrt. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Wer ein wenig geologisches Interesse hat, sollte sich die Felsen an den Fällen mal etwas näher ansehen. Man kann dort sechs unterschiedliche Lagen von Basalt übereinender erkennen, die von verschiedenen Lavaströmen herrühren die vor etwa 5 Millionen Jahren durch das Tal des Columbia geflossen sind. Da diese jeweils unterschiedlich schnell erkaltet sind, haben einige, wie unter anderem auch die oberste Schicht die typischen Basaltsäulen gebildet, während eine andere Schicht z.B. unter Wasser schnell abgekühlt wurde und dabei die sogenannte Kissenlava entstanden ist. Die unterschiedlichen Formen erkennt man eigentlich auch als Laie ziemlich gut.

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SwitchbacksHinter der Brücke führt der Pfad über elf mit nummerierten Schildern versehene Switchbacks zu der Spitze der Fälle. (zur Beruhigung sei gesagt: schon nach Switchback 9 hat man die Höhe geschafft und es geht wieder ein wenig  bergab) Dieser kurze – knapp über eine Meile lange – Weg dürfte der Trail in der Gorge sein, der mit weitem Abstand die meisten Besucher sieht. Mir tun die Leute immer ein wenig Leid, denn dieser Trail hat in meinen Augen ein sehr schlechtes Preis-Leistungsverhältnis. Um in einer Meile bis zur Spitze der Fälle zu kommen muss man ganz schön bergauf pusten. Sicher, es gibt steilere und anstrengendere Trails in der Gorge, aber ein bisschen in Schwitzen kommt man schon. Und was bekommt man dafür? Eine Aussicht über die beiden Parkplätze und einen Bach der einfach im Nichts aufhört. Dadurch das der Wasserfall zurückgezogen in einem Kessel liegt, gibt es von oben keinen großartigen Ausblick über das Flusstal des Columbia und vom Wasserfall selber sieht man von oben auch nur die ersten ein, zwei Meter. Dazu ist es meist proppevoll auf dem Weg. Der einzige Grund für mich diesen Trail zu laufen, ist wenn man oben weiter entlang des Multnomah Creek zu den Wasserfällen oberhalb von Multnomah Falls wandern will oder gar die Runde zu den Wahkeena Falls oder den Larch Mountain auf dem Programm hat. Ansonsten gibt es in direkter Nachbarschaft wesentlich schönere Trails die für weniger Anstrengung mehr bieten, wie z.B. der Weg zu den Ponytail Falls.

Ein letztes Wort noch zum Namen. Die Multnomah waren ein Stamm der Chinook-Indianer, die in der Gegend des heutigen Portlands lebte. Mitte des 19.Jahrhunderts fiel der gesamte Stamm einer eingeschleppten Krankheit, vermutlich der Malaria, zum Opfer. In Erinnerung an den Stamm bekamen die Wasserfälle und auch das dazugehörige County, in dem Portland liegt, ihre Namen.

Wann am besten hin?Multnomah Falls

Im Gegensatz zu vielen anderen Wasserfällen lohnt sich der Besuch bei den Multnomah Falls eigentlich zu jeder Jahreszeit.  Mir gefallen die kräftig gefüllten Fälle vor dem frischen Grün im Frühjahr und das bunte Laub im Herbst am besten. Aber auch die Eisskulpturen an kalten Wintertagen haben ihren Reiz, im Schnee sieht man die Fälle nur ganz selten einmal. Und selbst im Sommer ist immer noch genug Wasser in den Fällen dass sie einen Besuch wert sind.

An sonnigen Tagen stehen die Fälle tagsüber im Gegenlicht an der dunklen Felswand, so dass man noch am ehesten früh morgens oder abends einigermaßen ordentliche Lichtverhältnisse für ein Foto bekommt. Im Sommer kann man am späten Nachmittag manchmal einen Regenbogen im warmen Abendlicht auf den Fällen beobachten. Aber für Fotos eignet sich eigentlich bedecktes Wetter am besten um scharfe Kontraste mit hellen sonnenbeschienen Bäumen im Vordergrund zu vermeiden. Und an wolkigen Tagen herrscht ja zum Glück kein Mangel.

Wann lieber nicht hin?

An den Multnomah Falls ist eigenlich immer was los. An Wochenenden ist es oft sehr voll. An Sommerwochenenden ist es wirklich sehr sehr voll und am Memorial Day Weekend zu Anfang der Sommerferien und am Labor Day Weekend zum Ende der Sommerferien platzen die Parkplätze vor den Fällen aus allen Nähten, was dazu führt, dass sich die Autos auf dem Historic Highway z.T. bis hinter die Wahkeena Falls stauen und die Abfahrt vom I-84 E geschlossen wird. Wenn es sich irgendwie einrichten läßt, würde ich an den beiden Feiertags-Wochenenden einen grossen Bogen um die Fälle machen. Und wenn der Besuch nun einmal auf ein Sommerwochenende fällt, dann sollte man entweder sehr früh dort auflaufen oder im letzten Abendlicht die Fälle geniessen, da man dann den ganz großen Massen noch ein wenig aus dem Weg geht.

Wie kommt man hin?

IMG_9241bfrEs gibt zwei Möglichkeiten die Multnomah Falls zu erreichen. Entweder man fährt I-84. Dann nimmt man Exit 31 “Multnomah Falls”. Oder man erreicht die Fälle über den Historic Highway. Dann sollte man wenn man auf dem I-84 von Osten her kommt bei Exit 34 “Ainsworth State Park” auf den Historic Highway Richtung Westen wechseln. Wenn man den I-84 vom Westen her nimmt, gibt es mehrere Möglichkeiten auf den Historic Highway zu wechseln, die erste ist Exit 17 “Troutdale”, die letzte vor den Multnomah Falls ist Exit 28 “Bridal Veil”. Seit Frühjahr 2014 gibt es ein Gate, das die Zufahrt vom I-84 Richtung Osten automatisch sperrt, wenn der Parkplatz voll ist. Ein Warnschild weist dann eine knappe Meile vorher auf die Sperrung hin. In diesem Falle fährt man bis zur Ausfahrt 35 „Ainsworth State Park“ weiter wo man entweder auf den I-84 in Gegenfahrrichtung wechselt, da es von Osten her kein Gate gibt. Oder man fährt dort auf den Historic Highway, um dort sein Glück zu versuchen.

Meine Meinung

So knapp die Zeit auch sein mag, niemand sollte die Gorge verlassen, ohne zumindest einen kurzen Stop an den Multnomah Falls eingelegt zu haben. Viel mehr als ein kleiner Stop muss es aber auch sonst nicht sein, dabei lohnt es sich aber im Sommer entweder sehr früh oder spät am Tag dort zu sein, um den Massen wenigstens ein wenig aus dem Weg zu gehen.

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4 Antworten zu Multnomah Falls

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