Wahclella Falls Trail

Wahclella Falls

Dass Multnomah Falls den ersten Eintrag in meinem Blog bekommen muss, war mir genauso klar wie die Tatsache, dass der erste Hike, den ich hier beschreibe, nur der Trail zu den Wahclella Falls sein kann. Dieser kurze und einfache Trail mag zwar nicht so bekannt sein wie die Multnomah Falls, aber er ist der perfekte Einstieg für jemand, der die Gorge auch einmal jenseits der Wasserfälle am Historic Highway entdecken will.

Wahclella Falls bietet für (fast) jeden etwas: der Weg ist ideal für Leute, die ungern weitere Strecken laufen, aber trotzdem die typische Regenwaldlandschaft der Gorge kennenlernen wollen. Familien mit kleinen Kindern finden hier einen Trail der auch mit kurzen Beinen gut machbar ist und der einige Unterhaltung am Weg bietet. Fotografen bieten sich viele gute Motive mit und ohne Wasserfälle. Im Sommer kann man sich unter einem Wasserfall abkühlen. Nur wer Aussichtspunkte mit weitem Blick über den Columbia sucht wird hier leider nicht fündig.

Der Trailhead liegt nahezu direkt an der Abfahrt 40 „Bonneville Dam“ des I-84. Statt nach Norden zum Damm hin fährt man von der Abfahrt aus nach Süden und dann gleich rechts auf den kleinen Parkplatz am Trailhead. Da der Hike besonders bei Familien sehr beliebt ist, kann es an Wochenenden gerade im Sommer oft recht voll werden, so dass man Schwierigkeiten bekommt, sein Auto loszuwerden. Da sichert rechtzeitiges Erscheinen wie immer die besten Plätze. Der Trail wird vom National Forest Service betrieben. Es gelten also Pässe wie z.B. der NW Forest Pass oder der National Park Pass. Ansonsten kann man auch einen Tagespass für 5$ direkt am Parkplatz kaufen. Und zwei Dixie-Klos stehen auch am Trailhead. Der Weg zu den Fällen ist eine Meile in jeder Richtung (d.h. ~ 3 km insgesamt) und man muss in der Summe etwas über 100m (380ft) Höhenunterschied bewältigen. Der Trail ist ganzjährig zugänglich.

salmonberryDas erste Drittel des Weges verläuft auf einer abgesperrten Strasse und führt unter bemoosten Bäumen entlang des Tanner Creeks zu einem kleinen Damm, an dem Wasser für die Bonneville Fish Hatchery abgezweigt wird. Am Weg stehen viele Salmonberrybüsche. Im Frühjahr dekorieren die pinkfarbenen Blüten den Weg und im Frühsommer sind die Beeren die wie orangene Himbeeren aussehen reif. Sie sind essbar und schmecken ein wenig säuerlich. Direkt hinter dem Damm wird dann aus der Strasse ein kleiner Pfad. Munra FallsKaum ist man um die erste Kurve steht man auf einer kleinen Brücke direkt an den Munra Falls über die der gleichnamige Bach wie auf einer Art felsigen Wasserrutsche in den Tanner Creek fällt. Die Brücke ist so nah am Fall, dass man ihn im Frühjahr mit viel Wasser sogar „anfassen“ kann, eine Möglicheit von der Kinder gerne Gebrauch machen. Bis zu den Munra Falls kann der Wahclella Trail auch von Rollstuhlfahrern relativ problemlos bewältigt werden, nur die letzten paar Meter sind ein wenig ruppig. Abgesehen von den kurzen Wegen zu Wasserfällen direkt am Historic Highway ist das der einzige Wasserfall-Hike in der Gorge, wo das möglich ist.

Nach den Munra Falls verengt sich das Tal und man sieht die Basaltschichten in den nahezu senkrechten Felswänden auf beiden Seiten. Nun geht es auch ein wenig bergan, ohne allerdings wirklich steil zu werden. An einer Stelle gibt es auch eine kleine Treppe. Auf dem Stück gibt es einige Abschnitte wo man kleine Kinder an die (linke) Hand nehmen sollte, da es rechts neben dem Weg den Hang runter geht.

Nach gut zwei Dritteln des Trails kommt man an eine Gabelung. Dort kann man nicht viel falsch machen, denn beide Wege führen zu den Wahclella Falls, da das letzte Stück des Weges eine kleine Schleife ist. Ob man links oder rechts geht ist Geschmackssache. Links gibt es eher den Überraschungseffekt, da man eine Weile durch die Bäume geht und dann recht unvermittelt Wahclella Falls erreicht. Rechts hat man die ganze Zeit den Blick auf den Talkessel in dem der Wasserfall liegt und man sieht mit jedem Schritt ein wenig mehr.

Tanner CreekIch entscheide mich hier mal für rechts und gehe nach der Gabelung erstmal bergab zu einer Brücke über den Tanner Creek. Von hier sieht man den grossen Felssturz der 1973 von der westlichen Wand des Talkessels abgegangen ist und der das Tal bis runter zum Bach mit grossen Felsbrocken gefüllt hat. Die Bäume, die in dem Bereich stehen sind ganz offensichtlich 40 Jahre alte „Babies“ im Vergleich zu den riesigen alten Bäumen die sonst die Wahclella FallsUmgebung bestimmen. Wenn ich mir alte Bilder von vor dem Felssturz ansehe, dann muss ich aber sagen, dass dieser die Landschaft eher bereichert hat. Sowohl für Kinder als auch für Fotografen sind diese Felsen eine klasse Sache. Erstere haben was zu klettern, letzteren bietet sich von dort oben die beste Perspektive für Fotos des gesamten Talkessels. Ein besonderer Bonus im Frühjahr ist ein langer Wasserfall, der sich bei Fotos von weiter oben gut im Vordergrund macht, aber leider ab dem Frühsommer trocken fällt.

HöhleHat man den Felsbrocken passiert kommt man zum „Spielplatz“. Hier fliesst der Creek über ein flaches Kiesbett, von dem grosse Teile im Sommer trocken liegen, daher kann man dort hervorragend Steine ins Wasser schmeissen, Flachköpperdämme bauen, Staumauern errichten, im flachen Wasser planschen und was weiss ich nicht was einem noch alles einfällt. Eltern mit Kindern im entsprechenden Alter sollten überlegen im Sommer vielleicht Handtücher und Wechselklamotten mitzubringen.  Obendrein gibt es sogar noch eine Höhle zu erforschen. An der Stelle hatte sich auf einem erkalteten Lavastrom  mit der Zeit durch Erosion eine Bodenschicht gebildet. Als dann der nächste Lavastrom über diese Schicht floss, bildete sich eine Art Sandwich von weichem Material zwischen zwei Basaltbrötchen. Nachdem der Fluss das weichere Gestein ausgespült hat blieb eine flache tiefe Spalte im Fels über, in die man jetzt gut 20m weit hineinkriechen kann. Da ist es sehr hilfreich wenn man eine Taschenlampe dabei hat. Und der helle Ausgehanzug ist vielleicht auch nicht die beste Kleidung um, die Höhle zu erforschen.

Wahclella FallsHinter der Höhle geht es dann wieder auf einer Brücke über den Tanner Creek. Von hier lassen sich gute Fotos von den eigentlichen Wahclella Falls mit dem Tanner Creek im Vordergrund schiessen. Dann sind es nur noch ein paar Schritte bergauf und man steht vor den Fällen. Sie sind weder besonders hoch, noch haben sie eine aussergewöhnliche Form. Der Reiz besteht vielmehr darin, dass sie aus einer schmalen Spalte im Fels mit einem ziemlich grossen Volumen hervorgeschossen kommen. Wenn man in die Spalte hinenguckt, sieht man dass die Fälle aus zwei Stufen bestehen, die obere Stufe sich allerdings recht gut in dem Felsspalt versteckt. Bis in den Sommer hinein fällt noch ein zweiter – höherer – Fall, der sogenannte East Fork, seitlich in den Spalt hinein. Diesen sieht man am besten von der Brücke aus. Aufnahmen des Wasserfalls direkt von vorne sind eine echte Herausforderung, da der wasserreiche Fall den Talkessel mit Gischt füllt und man schnell Tropfen auf der Linse hat. Eine Langzeitbelichtung ohne Spritzer ist dort im Frühjahr ein Ding der Unmöglichkeit.

An heißen Sommertagen kann man in dem Pool unterhalb der Fälle gut Abkühlung suchen und unter dem Wasserfall baden, bevor man sich wieder auf den Rückweg macht. Dieser führt von den Fällen aus zurück zur Weggabelung und von dort auf dem schon bekannten Weg wieder zurück zum Parkplatz.

Auch hier will ich wieder kurz etwas zum Namen sagen: die Wahclella Falls wurden 1915 von Mitgliedern der Mazamas, einem grossen Wanderverein in Portland, in Erinnerung an eine gleichnamige ehemalige Indianersiedlung am Fuss des Beacon Rocks am gegenüberliegenden Ufer des Columbias benannt. Allerdings konnte zwar die Existenz der Siedlung sicher belegt werden, aber über deren Namen gibt es nach wie vor Zweifel. So oder so, die knapp hundert Jahre seit der Benennung des Wasserfalls haben jedenfalls noch nicht ausgereicht dass die US Geological Survey davon etwas mitbekommen hat. Die Behörde führt als einzige die Fälle noch unter dem schlichten Namen Tanner Creek Falls in ihren Karten.

Munra Falls ist wie der Munra Creek und der benachbarte Munra Point nach Katherine Sterrett Munra benannt, die an der Eisenbahnstrecke durch die Gorge nahe Bonneville ein kleines Restaurant betrieb. Damals gab es noch keine Speisewagen und so hielt der Zug bei „Grandma“ Munra, die vor allem für ihr Hühnchen bekannt war. Offenbar war es so lecker, dass sie sich damit einen Bach, einen Wasserfall und einen Aussichtspunkt mit ihrem Namen verdient hat. Ein Colonel Saunders (KFC) Fall oder ein Chicken McNugget Point sind dagegen wohl in nächster Zukunft kaum zu erwarten.

Wann am besten hin?

Wahclella FallsAm schönsten finde ich den Trail im Winter oder Frühjahr, wenn es einige Tage ergiebig geregnet hat. Dann gibt es auf dem Trail nicht nur zwei grosse Wasserfälle zu sehen sondern eine ganze Menge mehr, die überall von den steilen Felswänden ins Tal stürzen und die Wahclella Falls selber donnern mit einer Gewalt aus ihrem Spalt hervor, dass man Sorge hat der Fels könnte unter der Wucht platzen. Gutes Regenzeug ist an solchen Tagen natürlich Pflicht, selbst wenn es nicht regnen sollte, sorgen all die Wasserfälle schon für genug Feuchtigkeit überall.

Wann lieber nicht hin?

Der Trail lohnt sich eigentlich zu jeder Tages- und Jahreszeit. Lediglich Fotografen, die die erhabene Einsamkeit der Landschaft dokumentieren wollen, sollten vielleicht die rummeligen Sommerwochenenden meiden.

Wie kommt man hin?

Vom I-84 nimmt man die Ausfahrt 40 „Bonneville Dam“ und fährt nicht Richtung Damm sondern in die andere Richtung. Dort gibt es dann sofort eine T-Kreuzung, an der man rechts auf den Parkplatz fährt.

Meine Meinung

Der Wahclella Falls Trail hat das beste Preis-Leistungsverhältnis aller Gorge-Trails. Hier kriegt man viel zu sehen, ohne dass es allzuviel Zeit oder Energie kostet. Perfekt für jemand mit wenig Zeit oder für Leute, die keine längeren Strecken wandern wollen bzw. können. Für Reisende mit Kindern ist der Trail fast schon Pflicht.

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