Panther Creek Falls

Panther Creek Falls

*** Nach einem tödlichen Unfall an den Panther Creek Falls  war der Trail zum Wasserfall kurzfristig gesperrt. Er ist allerdings inzwischen wieder offen. ***

Im Allgemeinen werden Wasserfälle durch drei Parameter beschrieben: Höhe, Volumen und Form. In der ersten Kategorie hält ganz eindeutig Multnomah Falls die Spitzenpostion unter den Gorge-Wasserfällen. Der Titel des wasserreichsten Fall geht klar an die Celilo Falls des Columbia, die sogar weltweit nur von fünf anderen Fällen übertroffen werden. Leider sind sie seit dem Bau des The Dalles Dams 1957 verstummt und liegen seither unter einem Stausee begraben. Die Antwort auf die Frage, welcher Wasserfall in der Gorge die interessanteste bzw. schönste Form hat, ist naturgemäß sehr subjektiv, da sich das nicht mit einer Zahl wie Höhe oder Wasservolumen messen läßt. Ich muss allerdings für meine Antwort nicht lange überlegen: mein Favorit sind da die Panther Creek Falls. Wenn ich allerdings die Form der FällePanther Creek Falls beschreiben sollte, wird es schwierig. Da ist zum einen der Panther Creek der kurz vor den Fällen in eine scharfe Kurve geht und in einer Art Rinne über dem Tal entlangfliesst. An einigen Stellen läuft die Rinne über und bildet kleine Wasserfälle. Das meiste Wasser geht allerdings über den Hauptfall am Ende der Rinne, der sich wiederum neben und unterhalb einer Quelle befindet, die ein filigranes Gebilde von vielen feinen Wasserstreifen über einen Fels legt. Alles klar? Ich weiss, ohne ein Foto kann man sich das schlecht vorstellen. Und so richtig versteht man es erst wenn man den beeindruckenden Wasserfall selber sieht.

Panther Creek FallsNun sollte man denken, dass so ein ungewönlicher Wasserfall zu den meistbesuchtesten Attraktionen der Gorge zählt. Dem ist aber überhaupt nicht so. Wenn ein Wasserfall der Gorge das ominöse und so begehrte Label „Geheimtipp“ verdient, dann wohl Panther Creek Falls. An den Multnomah Falls war ich selbst während eines Schneesturms, wegen dem die Autobahn gesperrt werden musste, nicht allein. An den Panther Creek Falls habe ich bisher noch nie jemand anders getroffen.

Gibt es eine komplizierte, schwer zu findende Anfahrt über kleine Waldwege, die geländegängige Autos voraussetzen? Eigentlich nicht, ein Stück hinter Carson einmal rechts dann gleich wieder links und alles ist bestens geteert. Und es gäbe genug Parkraum für bestimmt 50 oder so Autos.

Panther Creek FallsMuss man einen langen anstrengenden Trail laufen an deren Ende die Fälle liegen? Eigentlich nicht. Ich war einmal mit einer einjährigen Hikerin dort, deren bisherige Lauferfahrung in Wochen gemessen werden konnte, und sie hat keine 10 Minuten gebraucht. Und dabei muss man noch beachten, dass es viele kleine Steine und Stöcke am Wegesrand zum Aufsammeln und Begutachten gab, sonst wäre sie wohl auch etwas schneller an der Aussichtsplattform gewesen.

Warum sind die Fälle dann also so ein Geheimtipp. Ich könnte mir drei Gründe vorstellen: erstmal sind die Panther Creek Falls nirgendwo ausgeschildert, man muss also wissen, wo man hin will. Dann liegen die Fälle etwas abgelegen auf der Washington-Seite der Gorge, ein ganzes Ende weg von den populären Fällen am Historic Highway, die die große Masse der Besucher anziehen. Und zu guter Letzt ist der Weg zu der Aussichtsplattform der Fälle einfach viel zu kurz als dass er als Hike in den diversen Wanderführern der Gorge Erwähnung finden würde. Viele Leute wissen also einfach gar nicht, was sich dort für eine Perle in der Gorge verbirgt.

Um die Fälle zu erreichen geht man von dem Parkplatz unterhalb des Steinbruchs an der Panther Creek Rd.  etwa fünfzig Meter zurück in Richtung Westen von wo man gekommen ist. Dort geht rechts von der Strasse ein kleiner Trail ab, den man nicht verpassen kann. Es geht etwa 150m leicht bergab zu einer Plattform auf der man einen Logenplatz mit bester Aussicht auf die Fälle hat.

Nun kann man hier in aller Ruhe den Anblick geniessen, ausgiebig Fotos machen und sich dann wieder auf den kurzen Weg zum Auto zurück machen. Wer allerdings ein wenig abenteuerlustig ist und auch vor einer Kletterpartie nicht zurückschreckt, kann sich die Fälle auch noch von unten ansehen und eine zweite kleinere Stufe, die von oben nicht sichtbar ist in Augenschein nehmen. Das setzt allerdings ein wenig Geschick beim Klettern voraus.

Panther Creek FallsEtwa 25m links neben der Aussichtsplattform muss man über Felsen etwa 3 bis 4 Höhenmeter nach unten klettern, um auf eine schmale bewachsene Stufe im Fels zu kommen. Am hinteren Ende der Stufe geht es nochmal  gut 3 Meter senkrecht am Felsen runter. Es gibt an beiden Kletterstellen genug Vorsprünge und Griffe, um auch als Kletterlaie heil den Weg nach unten zu schaffen. Den schicken hellbeigen Patagucci-Fleece sollte man allerdings gegen eine olle Regenjacke eintauschen, denn ein wenig dreckig wird man auf jeden Fall. Ist die Kletterstrecke überstanden, dann geht es einen steilen Trampelpfad nach unten in die nasse grüne Hölle direkt unter den Fällen. Von hier aus kann man auch die Lower Falls erforschen, die aber nicht annähernd so spektakulär sind wie die Hauptfälle. Die allgegenwärtige Gischt sorgt hier unten dafür, dass alles mit einer dicken Moosschicht bedeckt ist und leider auch,  dass man große Schwierigkeiten hat, ein Foto ohne Tropfen auf der Linse zu schiessen.

Wann am besten hin?

Panther Creek FallsPanther Creek Falls ist einer der wenigen Wasserfälle die sich im Laufe des Jahres nicht markant unterscheiden. Im Frühjahr gibt es zwar mehr Fälle, die an der rechten Seite aus der Rinne laufen und der Hauptfall ist besser gefüllt, aber der Unterschied ist nicht besonders dramatisch. Oberhalb der Quelle stehen ein paar Laubbäume die sich im Herbst gelb und rot verfärben aber auch die Herbstfarben sind nicht so spektakulär, dass sie den Herbst nun zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis an den Fällen machen würden. Daher lohnt es sich eigentlich zu jeder Jahreszeit die Fälle zu besuchen, keine sticht besonders hervor. Für Fotos ist es am besten einen bedeckten Tag zu erwischen, da das Sonnenlicht durch die umstehenden Bäume nie die gesamten Fälle ausleuchtet und es scharfe hell-dunkel Kontraste gibt. Zur Not muss man an sonnigen Tagen spät am nachmittag dort sein, dann liegen die Fälle im Schatten.

Wann lieber nicht hin?

Die Fälle lohnen eigentlich immer einen Besuch.

Wie kommt man hin?

Vom 4-Way Stop  in der Mitte von Carson WA fährt man auf der Wind River Rd. nach Norden. An der ersten Kreuzung mit der Old State Rd. nach 3,5 Meilen fährt man noch geradeaus weiter auf der Wind River Rd. aber nach 4,8 Meilen geht es zum zweiten Mal nach rechts auf die Old State Rd. und hier biegt man ab um dann sofort wieder links auf die Panther Creek Rd/NF 65 fahren. Wenn man vom Mt.St.Helens kommt, findet man den Abzweig zur Old State Rd. 8,6 Meilen nach der markanten Kreuzung auf der man von der Meadow Creek Rd links auf die Wind River Rd abbiegt. Am Anfang der Panther Creek Rd sollte man auf jeden Fall auf den Meilenstand gucken. Dann hat man während man der schmalen geteerten Strasse folgt etwa eine Viertelstunde Zeit zum Kopfrechnen. Die Aufgabe lautet: abgelesener Meilenstand plus 7,2 Meilen. Das Ergebnis gibt an, wo sich auf der rechten Seite der Strasse eine Art grosser Steinbruch mit einem grossen Pullout davor befindet. Wenn man auf den Meilenstand geachtet hat, kann man den überhaupt nicht verfehlen. Hier parkt man das Auto und kommt wie oben beschrieben zum Wasserfall. Vorsicht: zwischen Strasse und Parkplatz ist eine ziemliche Kante, die man nicht so ohne weiteres sieht. Wenn man also nicht gerade mit einem hochbeinigen SUV unterwegs ist, bietet es sich an etwas langsamer auf den Parkplatz zu fahren.

Meine Meinung:

Der schönste Wasserfall der Gorge ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Leider liegt er etwas abgelegen. Wer mit knappen Zeitbudget lediglich die Oregon Seite der Gorge mit dem Historic Highway besuchen will, wird es sich zwei Mal überlegen ob er die zwei Stunden über hat, die es braucht, um von Cascade Locks aus zu den Panther Creek Falls und zurück zu kommen. Wer allerdings ein wenig mehr Zeit für die Gorge eingeplant hat oder von der Gorge über die Wind River Rd. zum Mt.St.Helens weiterfährt, sollte diese wunderschönen Fälle auf keinen Fall verpassen.

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