Rocky Butte

Mt.Hood von Rocky ButteRocky Butte ist der Larch Mountain für Arme.

Wie komme ich zu dieser komischen Aussage? Nun die Rocky Butte ist wie der Larch Mt. ein erloschener ehemaliger Vulkan des Boring Lava Fields, von dessen Spitze aus man eine hervorragende Aussicht auf die noch aktiven grossen Vulkane der Umgebung hat. Der Vergleich der beiden bietet sich also an. Aber warum „für Arme“? Gut, am Larch Mt. zahlt man 5$ für den Parkplatz, der auf der Rocky Butte umsonst ist, aber das macht einen ja noch nicht wirklich arm. Allerdings gibt es für Reisende neben dem lieben Geld noch eine zweite – fast noch wichtigere – Währung, bei der das Reisebudget in der Regel meist sogar viel knapper ist als beim Geld und das ist die Zeit. Und da ist die Rocky Butte im Vergleich zum Larch Mt. ein echtes Schnäppchen. Während die Fahrt zum Larch Mt. hoch mit allem drum und dran vom I-84 aus in weniger als zwei Stunden kaum machbar ist, erreicht man die Rocky Butte, die noch innerhalb Portlands liegt, sowohl vom I-205 als auch vom I-84 in knapp 10 Minuten. Und auch US30B und OR213 führen direkt an der Rocky Butte vorbei. Und im Winter wird die Zufahrt auch nicht gesperrt wie am Larch Mt. Gibt es denn da überhaupt noch einen Grund auf den Larch Mt. zu fahren? Nun ja der Larch Mt. ist fast sieben mal so hoch wie die Rocky Butte, dementsprechend unterscheidet sich die Aussicht natürlich. Man sieht dort fünf Vulkane während man bei der Rocky Butte nur auf die Hälfte davon kommt nämlich zwei und einen Halben. So ist das mit den Schnäppchen: irgendeinen kleinen Haken haben sie immer.

Mt.St.HelensAber mal der Reihe nach. Die Rocky Butte ist ein 187m hoher Aschenkegel des Boring Lava Fields, der im Nordosten von Portland liegt. Zusammen mit dem bekannteren Mt.Tabor und einigen anderen kleineren Kegeln sorgt sie dafür dass Portland eine der wenigen Städte in den USA ist, die Vulkane im Stadtgebiet hat. Anlass zur Sorge besteht für die Bewohner der Stadt aber nicht. Die etwa eineinhalb Millionen Jahre alten Vulkane sind seit gut 300.000 Jahren erloschen. Nach seinem letzten Ausbruch hatte der kleine Vulkan erstmal eine ganze Zeit Ruhe bis zu den Missoula-Fluten, bei denen vor etwa 10.000 Jahren immer wieder ungeheure Wassermassen in einer riesigen Flutwelle durch die Gorge rauschten. Wenn man sich eine topografische Karte ansieht erkennt man wie die gewaltigen Wellen, die Ostseite der Rocky Butte in eine steile Klippe verwandelt haben und dann das Material in einem langgezogenen Rücken, der Alameda Ridge, einmal quer durch den Nordosten Portlands verteilt haben. Hier wohnen heute wohlhabende Portländer und geniessen die schöne Aussicht von der Ridge, wahrscheinlich ohne sich gross Gedanken über die Herkunft des Materials zu machen.

Nach Ankunft der europäischen Siedler wurde der ehemals stolze Vulkan zum schnöden Steinbruch degradiert. Material von der Rocky Butte wurden unter anderem für Gefängnisse in Portland und Walla Walla verwendet und auch am Historic Highway in der Gorge finden sich viele Steine, die von der Rocky Butte stammen. Am prominentesten ist wohl der große Gedenkstein am Eingang des Portland Women’s Forum. Der Steinbruch inspirierte dann im Jahre 1923 Pater Ambrose Meyer vom Sevitenorden dort ein Heiligtum zu Ehren Marias zu errichten. The Grotto an der Nordwestflanke der Rocky Butte umfasst ein Heiligtum mehrere Kapellen, einen Kreuzweg und eine schöne Gartenlage, die alle öffentlich zugänglich sind. Rocky ButteKurz darauf im Jahre 1931 verlegte dann Joseph Wood Hill seine Hill Military Academy, eine Privatschule die Schüler auf eine Militärkarriere vorbereiten sollte, von Northwest Portland auf die Rocky Butte. Zusammen mit dem Multnomah County und Bundesgeldern wurden zu der Zeit zwei Strassen auf den Gipfel der Rocky Butte gebaut und dort wurde zu Ehren von Joseph W. Hill ein Park mit einem Aussichtspunkt angelegt. Dabei lehnte man sich im Stil an die Architektur des Historic Highways an. So wurden Motive wie die flachen Steinbögen oder die achteckigen Laternen übernommen um eine Verbindung mit dem Historic Highway herzustellen und die Rocky Butte als Ausgangspunkt für eine Fahrt durch die Gorge zu etablieren.

Rocky ButteEs gibt zwar auch einen Trail der an der Kreuzung von NE Skidmore St & NE 92nd Ave beginnt, aber da der wenig lohnend ist, würde ich empfehlen, die Rocky Butte mit dem Auto zu besuchen. Es gibt zwei Strassen die den Berg hochführen, die beide passenderweise NE Rocky Butte Rd heissen. Die nördliche Zufahrt geht ein wenig schneller, die südliche ist ein wenig schöner. Oben angekommen führt die Strasse einmal um den Aussichtspunkt herum, der wie eine grosse Burg auf der Kuppe thront. An der Strasse kann man überall parken. Der Zugang führt über eine imposante Treppe von der Nordseite auf die „Festung“. Es gibt allerdings noch einen „Hintereingang“ über einen kleinen Schotterweg von Süden her, der auch Leuten, die keine Treppen steigen können, den Zugang auf den Aussichtspunkt erlaubt.

Rocky ButteOben angekommen sieht man in der Mitte erstmal einen grossen Turm mit einem Leuchtfeuer, das dem Luftverkehr des nahen Flughafens dient. Direkt neben der Treppe befindet sich dann ein Gedenkstein zu Ehren von Joseph Wood Hill und seiner Militärakademie und ein Kompass, der die grossen Berge der Umgebung benennt. Ansonsten befindet sich dort oben noch einige Rasenflächen, auf denen bei gutem Wetter in der Regel Leute picknicken oder es sich sonst wie gut gehen lassen. Wer Einsamkeit sucht ist auf der Rocky Butte falsch. Rocky Butte Panorama

Aber die eigentlich Attraktion ist natürlich die hervorragende Aussicht. Nach Osten hin dominiert Mt.Hood das Panorama. Vor allem im warmen Abendlicht bietet er einen beeindruckenden Anblick und Alpenglühen am Vulkan ist keine Seltenheit. Dann bieten sich Fotos zusammen mit den Laternen bzw. den grossen Bäumen am Südende des Aussichtspunkts an. Mt.JeffersonWenn man ein wenig sucht erkennt man ein ganzes Ende rechts von Mt.Hood noch die Spitze von Mt.Jefferson, die so gerade eben über die umgebenden Berge ragt. Links vom Mt.Hood sieht man Larch Mt. und die Gorge. Wer genau hinsieht erkennt unterhalb vom Larch Mt. das Vista House oben auf dem Crown Point. Im Vordergrund führt I-84 in die Gorge.

Nach Norden hat man einen tollen Blick auf Mt.St.Helens. Interessante Fotomotive sind der Berg von den Laternen an der Treppe flankiert, mit der geschwungenen Glenn Jackson Bridge, die den I-205 über den Columbia führt, im Vordergrund oder bei Ostwind mit startenden Flugzeugen über dem Berg. Aber wo sind denn die anderen beiden Washingtoner Vulkane, Mt.Rainier und Mt.Adams, die man vom Larch Mt. so schön sehen kann? Leider versteckt sich der Mt.Rainier direkt hinter dem Mt.St.Helens und Mt.Adams ebenso schüchtern, verkriecht sich hinter Silver Star Mt. dem hohen Berg mit der Doppelspitze rechts vom Mt.St.Helens, so dass man von der Rocky Butte wie gesagt nur zweieinhalb Vulkane sieht. Weiter links erkennt man dann direkt am Columbia den Portland International Airport PDX. Die Flugzeuge, die dort starten und landen bieten einige schöne Fotogelegenheiten in Verbindung mit den beiden Vulkanen, wobei allerdings ein gutes Tele hilfreich ist.

Portland DowntownNach Westen hin hat man einen Blick über relativ grüne Stadtviertel auf die Innenstadt von Portland vor den Hügeln der West Hills. Ganz rechts erkennt man dort den markanten Bogen der Fremont-Brücke. Der Blick ist mit der Sonne im Rücken am frühen Morgen am Besten. Am Abend, wenn die Berge im schönsten Licht stehen, sieht man hingegen im Gegenlicht nicht mehr viel von der Stadt.

Mt.St.HelensWenn man die Aussicht in aller Ruhe genossen hat, genug Fotos geschossen hat und sich wieder auf den Weg macht, bleibt für Leute wie mich, die an geologischen Details ihren Spaß haben noch eine Sache zu tun: ich fahre grundsätzlich die südwestliche Zufahrtsstrasse, die in einer Schleife durch einen kleinen Tunnel führt wieder hinab und  dann geht es nach einem rechts-links-rechts-Haken über NE Fremont Drive (nicht Road!) zurück zur NE82nd Ave. Fremont Drive führt quer durch eine steile Rinne, die enstand als die Missoula Fluten vor über 10,000 Jahren die Rocky Butte umspülten. Wenn das nicht Geologie zum Anfassen ist, dann doch zumindest zum Durchfahren.

Wann am besten hin?

Wenn man eine klare Aussicht auf Mt.Hood und Mt.St.Helens hat lohnt sich ein Besuch auf der Rocky Butte immer. Am schönsten ist die Sicht im Winter und Frühling wenn die Berge schneebedeckt sind und die kalte Luft eine klare Sicht erlaubt. Die beste Tageszeit ist zweifellos der späte Nachmittag und Abend. Dann ist vor allem Mt.Hood im warmen Abendlicht beeindruckend und direkt nach dem Sonnenuntergang kann man oft Alpenglühen am Berg beobachten. Mt.Hood zum SonnenaufgangSelbst an diesigen Tagen wird die Aussicht auf die Berge gegen Abend deutlich besser. Allerdings lohnt sich auch der Sonnenaufgang. Dann sieht man die schwarze Silhouette des Kegels von Mt.Hood gegen den roten Morgenhimmel. Sobald die Sonne aber ein wenig höher am Himmel steht verschlechtert sich die Sicht auf den Berg wegen des Gegenlichts massiv.

Wann lieber nicht hin?

Die Aussicht auf die Berge ist das, was die Rocky Butte ausmacht. Wenn man keinen der beiden Vulkane sieht, dann lohnt sich die Fahrt auf den Aussichtspunkt auch nicht.

Wie kommt man hin?

Je nachdem von wo man kommt gibt es mehrere Optionen die beiden Zufahrtsstrassen zur Rocky Butte zu erreichen. Wenn man z.B. abends von einem Besuch der Gorge auf dem I-84 nach Portland zurückkehrt und im Rückspiegel das weisse Dreieck des Mt.Hood sieht, das einen schönen Blick von der Rocky Butte verspricht, fährt man an der Kreuzung mit I-205 diesen Richtung Seattle nach Norden um dann die zweite Ausfahrt 23B „Killingsworth St./ Sandy Blvd West“ zu nehmen. Die linke Spur bringt einen auf den NE Sandy Boulevard, dem man für eine Meile bis zur NE 82nd Ave folgt. Hier biegt man links ab und an der nächsten Ampel gleich wieder links auf NE Fremont Rd. Dann folgt man dem Strassenverlauf für 1,7 Meilen bis man den Gipdfel der Rocky Butte erreicht hat.

Meine Meinung

Mt.HoodWenn man bei seinem Gorge-Besuch in Portland, Gresham oder Troutdale übernachtet und man abends merkt, dass der Sonnenuntergang schön zu werden verspricht, dann bietet die Rocky Butte eine hervorragende Option spontan einen wunderbaren Blick auf Vulkane im Abendlicht zu geniessen ohne viel Zeit für die Anfahrt zu investieren. Hier wird einem für wenig Aufwand viel Aussicht geboten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Aussichtspunkte abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s