Tom McCall Preserve

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Im Frühling präsentieren sich nicht nur die Wasserfälle der Gorge in voller Pracht, es ist auch die Zeit der Wildblumenblüte. Wer in dieser Zeit die Gorge besucht, sollte auf jeden Fall wenigstens einen kleinen Ausflug in die bunte Blütenpracht machen. Der bekannteste Blumenberg der Gorge ist der Dog Mountain, der für seine blühenden  Bergwiesen im Mai bekannt und für den steilen Aufsteig dorthin berüchtigt ist. Eine wesentlich einfachere aber fast ebenso blumige Alternative ist der Tom McCall Point, der zwischen Hood River und The Dalles auf der Oregon Seite der Gorge liegt. Der Weg ist halb so lang wie der Dog Mountain Trail, man muss nur etwa ein Drittel der Höhenmeter bewältigen und wem das noch nicht reicht, der bekommt auch noch einen Blick auf zwei schneebedeckte Vulkangipfel als Bonus dazu. Und selbst für bekennende Nicht-Wanderer oder Familien mit kleinen Kindern gibt es hier noch einen weiteren Trail, der ohne grossen Höhenunterschied über das blumenbedeckte Rowena Plateau führt. Wenn man dann die verkehrsmäßig günstige Lage direkt am Historic Highway dazu nimmt, dann ist die Tom McCall Preserve für mich die beste Wahl um die Wildblumen der Gorge zu entdecken.

Die Trailheads für beide Hikes, sowohl den auf den Tom McCall Point als auch den über das Rowena Plateau, liegen am Parkplatz des Rowena Crest Viewpoints am östlichen Teil des Historic Highway, der zwischen den Orten Mosier und Rowena parallel zum I-84 verläuft.

Tom McCall PointDer Weg von Rowena Crest zum Tom McCall Point ist 1,7 Meilen lang. In Kilometern wären das also etwa fünfeinhalb Kilometer für den gesamten Weg hin und zurück. Dabei muss man knapp 350m (~1100ft) Höhenunterschied bewältigen. Vom Parkplatz am Rowena Crest kann man das Ziel schon einmal in Augenschein nehmen. Die Erhebung direkt südlich, die wie eine grosse Rampe sanft von Westen her ansteigt um dann steil nach Osten abzufallen, ist der Tom McCall Point.  Von der Informationstafel an der Zufahrt zum Parkplatz geht es erst einmal nach Süden über das blumenbedeckte Plateau zum Fuß des Tom McCall Points. Hier bekommt man schon einen Eindruck davon, welche Blumen man auf dem Weg zu sehen bekommen wird. Ende April geht es mit DER Wildblume der östlichen Gorge los, der knallgelben Balsamorhiza oder Balsamroot, die – bei ihrem Aussehen wenig überraschend – eine Verwandte der Sonnenblume ist. Jeder Wildblumenberg in dieser Ecke der Gorge, der nur ein wenig was auf sich hält, bedeckt seine Wiesen im Mai und z.T auch noch im Juni mit einem gelben Meer dieser Blumen. Columbia RiverDazu gesellen sich dann meist etwas später im Mai die anderen beiden Vertreter der gelb-blau-roten Gorge-Blumentrinität, die Lupine und die Indian Paintbrush. Neben diesen dominanten drei Farben findet man aber noch viele andere Blumen auf dem Trail. Im Juni löst dann langsam das knallblau der Kornblumen oder Bachelor’s Buttons, wie sie auf Englisch heissen das Gelb der Balsomroots ab. Diese blühen dann noch bis in den Juli hinein.

Tom McCall Point TrailHinter der Wiese folgt der Trail kurz den Überresten einer alten Wagon Road aus dem 19.Jhd bevor es nach insgesamt etwa einem Kilometer eine scharfe Rechtskurve gibt. Von da an geht es durch knorrige Eichen stetig bergauf. Es ist ein wenig Vorsicht geboten, denn dort, wo es in der Gorge Eichen gibt, ist meist auch der biologisch nicht verwandte Namensvetter Poison Oak nicht weit. Und dem will man lieber nicht zu nahe kommen, da er ganz übel juckenden Hautausschlag verursacht. Wenn man also neben dem Trail eine dreiblättrige eher niedrige Pflanze mit leicht ölig schimmernder Blattoberfläche sieht: Finger weg! Wer sicher gehen will, sollte auch bei warmen Wetter lieber eine lange Hose anziehen.

GalläpfelAn den Zweigen der Eichen sieht man oft Galläpfel, die eher an eine Kartoffel als einen Apfel erinnern, und Kokons einer Wespe sind. Also nicht so schlau sein wie eine Bekannte von mir, die – ohne zu wissen was es ist – so einen Gallapfel im Flieger mit nach Hause genommen und ihn so lange als Dekoration auf das Regal gelegt hat bis die Wespen schliesslich geschlüpft sind.

Tom Mc Call Point AussichtAuch Schlangen gibt es in der Tom McCall Preserve. In aller Regel harmlose Garter Snakes, allerdings ist auch die Begegnung mit einer Klapperschlange nicht ausgeschlossen.

Während es also durch die Eichen langsam immer höher geht, sollte man immer mal wieder an lichten Stellen einen Blick nach Norden riskieren. Dort hat man nicht nur einen schönen Blick über den Columbia und das Rowena Plateau. Auch der runde schneebedeckte Gipfel von Mt.Adams schiebt sich nach und nach über die Hügel am nördlichen Flussufer hinaus.

Mt.HoodKurz bevor man das Ziel erreicht hat gibt es  dann endlich auch einen Blick nach Süden und dort sieht man Mt.Hood der im Vergleich zu Mt.Adams einen wesentlich spitzeren, typischen Vulkankegel besitzt. Oben auf dem TomMcCall-Point gibt es eine relativ grosse und recht flache Bergwiese, die im Ideafall ganz mit Blumen bedeckt ist. Man hat wie erwähnt einen Blick auf die beiden Vulkane im Norden und Süden. Dazu kommt das weite Panorama mit Blumenwiesen und dem Columbia im Westen und zu guter letzt sieht man von der Kante im Osten auch noch den trockenen östlichen Teil der Gorge Richtung The Dalles mit den eindrücklichen Basaltschichten auf der Nordseite des Flusses. Der kleine Ort auf der anderen Flussseite mit den markanten zwei Brücken ist Lyle an der Mündung des Klickitat River in den Columbia.

Wenn alle Eindrücke gesammelt sind, alle Fotos geschossen sind und vielleicht auch ein kleines Picknick auf der Wiese vertilgt ist, würde ich empfehlen, denselben Weg wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung zurückzugehen. Es gäbe noch einen weiteren recht ruppigen Pfad, der z.T. auf einer alten Straße am steilen Ostende des Tom McCallPoint hinabführt. Allerdings ist der Weg längst nicht so schön wie der Hauptpfad, so dass er keine wirklich lohnende Alternative darstellt.

Columbia und BalsamrootIch halte den Tom McCall-Point für keinen besonders ansruchsvollen Hike, aber ein paar Höhenmeter muss man schon machen. Wem das aber dennoch zu viel erscheint für den gibt es ja wie gesagt noch eine zweite Alternative: ein zweiter Trail startet direkt gegenüber der Zufahrt zum Parkplatz des Rowena Point auf der anderen Strassenseite des Historic Highway und führt gut eine Meile ohne viel Höhenunterschied über das Rowena Plateau. Neben den ausgedehnten Blumenwiesen gibt es hier auch zwei kleine Teiche, denen man sich aber wenn überhaupt nur ausgesprochen vorsichtig nähern sollte, denn das Ufergestrüpp ist eine regelrechte Poison Oak-Plantage. Um den ersten der beiden Teiche fürt ein Weg herum und man erreicht dort ebenso wie am Ende des Trails Aussichtspunkte auf den Klippen oberhalb des Columbia mit Blick auf Lyle und die bis zu acht Basaltschichten am Nordufer des Flusses. TeichDer Trail endet dann an der Stelle wo der Canyon Rowena Dell an der Westseite des Plateaus sich zum Columbia hin öffnet. Wer nach einem Fluss in dem Canyon guckt, kann lange suchen, Rowena Dell wurde genau wie Teiche auf dem Plateau von den eiszeitlichen Missoula Floods geformt und nicht von einem Fluss.

Da man nicht mit letzter Sicherheit sagen kann, woher der Name Rowena kommt – ein hübsches Mädchen, ein altes Gedicht und ein profaner Ingenieur sind mögliche Kandidaten – will ich mich stattdessen lieber kurz über Tom McCall, den Namenspatron der Preserve und des Berges, auslassen. Er war Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger für acht Jahre der Gouverneur Oregons und hat in seiner Amtszeit einige weitreichende Entscheidungen gefällt: so setzte er das Werk seines Vorgängers Oswald West aus dem Anfang des Jahrhunderts fort und sorgte dafür das bis heute sämtliche Strände Oregons in öffentlicher Hand und für jedermann frei zugänglich sind, er führte 1971 mit der Oregon Bottle Bill das erste Pfandsystem für Getränke in den USA ein, er ersetzte in Portlands Innenstadt eine vierspurige Strasse am Willamette durch einen Park mit Promenade um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und so bot es sich für die Nature Conservancy an, das Schutzgebiet nach einem Gouverneur zu benennen, auf den die meisten Oregonians auch heute noch so stolz sind, dass sie ihm selbst seinen schwersten Fehler großzügig verziehen haben: Tom McCall war Republikaner. Und wer noch eine gute Reiselektüre für eine Tour durch den Nordwesten sucht: „Fire at Eden’s Gate“ von Brent Walsh beschreibt das Leben dieses eindrücklichen Menschen sehr kurzweilig und interessant.

Wann am besten hin?

Mt. Adams und WildblumenDer beste Monat für die Tom McCall Preserve ist der Mai in manchen Jahren auch noch der Juni. An einem sonnigen Maitag mit klarer Luft und guter Sicht gibt es in der Gorge keinen schöneren Hike. Die Blumenblüte geht dann noch bis so etwa Mitte Juli, wobei die gelben Balsamroots dann mehr und mehr den blauen Kornblumen weichen.  Letztere sind auch schön, aber am eindrücklichsten sind die knallgelben Wiesen.
Im Frühling mit dem Blumen kann sich auch eine Wanderung bei schlechtem Wetter lohnen und bei gutem Wetter kann man auch im Sommer oder im Herbst mit den bunten Blättern an den Eichen eine schöne Wanderung haben, aber nichts schlägt die Kombination Frühling und Sonne.

Das beste Fotolicht hat man am späten Nachmittag, aber morgens und vormittags ist die Chance grösser, dass es weniger windig ist und die Blumen für Fotos artig still halten. Später am Tag kann es oft recht kräftig pusten, wenn der Wind in der Gorge in der Regel auffrischt.

Wann lieber nicht hin?

Vom 1.November bis zum 31.April ist der Trail gesperrt. Und wenn die Jahreszeit und das Wetter weder Blumen noch eine gute Aussicht versprechen, dann würde ich mir Tom McCall Point auch schenken.

Wie kommt man hin?

Die Trailheads liegen am Rowena Crest Viewpoint. Man erreicht diesen über den östlichen Abschnitt des Historic Highway. Wenn man von The Dalles im Osten her kommt, fährt man I-84 bis zum Exit 76 „Rowena“. Von dort aus geht es dann noch zweieinhalb sehr kurvige Meilen bis zum Viewpoint. Kommt man aus Portland bzw. Hood River im Westen, dann verlässt man I-84 an der Ausfahrt 69 „Mosier“ und fährt sechseinhalb Meilen durch viele Obstplantagen zum Parkplatz am Rowena Crest. Sowohl der Parkplatz als auch der Trail sind kostenfrei.

Meine Meinung

Wer im Mai oder Juni eventuell noch Juli die Gegend besucht, sollte auf jeden Fall die Gelegenheit wahrnehmen und sich die Wildblumenblüte in der östlichen Gorge ansehen. Die Tom McCall Preserve ist eine der besten Möglichkeiten dafür. Auch im Rest des Jahres ist es immer noch ein Hike mit schöner Aussicht, aber dann gibt es vieles Anderes was lohnender ist.

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