Eagle Creek Trail (Teil1: bis Punchbowl Falls)

Punchbowl Falls***Im Dezember 2016 ist ein großes Stück der nördlichen Canyonwand unterhalb der Metlako Falls abgerutscht. Der Trail selber ist davon nicht betroffen, aber den offiziellen Viewpoint auf die Metlako Falls hat es erwischt. Derzeit führt der Stichtrail dorthin in den Abgrund. Die Abbruchkante ist sehr instabil, daher sollte man sich dort, wenn überhaupt, nur mit äußerster Vorsicht bewegen. Noch ist nicht klar welche Lösung der Forest Service finden wird, aber vermutlich dürfte die bekannte Aussicht auf die Metlako Falls Geschichte sein.***

Jeder kennt wohl die Frage, welches Buch, welche Lebensmittel, welche Musik etc. man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Man muss sich entscheiden, was wirklich genug Substanz hat, dass es einem selbst Tag für Tag auf der einsamen Insel nicht langweilig wird. Beim Buch und der Musik müsste ich lange nachdenken, aber mir ist klar, ich würde mich auf der Insel von Äpfeln ernähren und wenn ich einen Gorge-Hike mit auf die Insel nehmen dürfte, dann käme ohne langes Überlegen der Eagle Creek Trail mit. Wunderschöne Wasserfälle, uriger Regenwald in vielen verschiedenen Formen von knorrigen Eichen bis zu riesigen Douglas-Fichten, steile Basaltklippen, Weeping Walls, springende Lachse…. am Eagle Creek ist die Faszination der Gorge in einem Trail komprimiert.

Eagle Creek WaldMit meiner Vorliebe für den Eagle Creek stehe ich nicht alleine da, der Hike ist einer der beliebtesten in der Gorge und das mit gutem Grund. Der Eagle Creek Trail wurde Anfang des 20. Jahrhunderts etwa zur gleichen Zeit wie der Historic Highway angelegt. Die Idee war, dass der Cascade Crest Trail, ein Vorläufer des berühmten Pacific Crest Trails, der entlang der Sierra Nevada bzw. der Kaskaden von Mexiko nach Kanada führt, entlang des Eagle Creek die Gorge durchqueren sollte um dann bei Cascade Locks auf der Bridge of the Gods den Columbia zu überqueren. Damit die Gorge sich für die Wanderer auf diesem besonderen Trail von ihrer Schokoladenseite zeigt wurde ein extrem aufwändiger Weg durch das wunderschöne Tal des Eagle Creeks gebaut. Um eine gleichmäßige Steigung auf dem ganzen Trail zu erhalten, wurden Teile des Trails auf halber Höhe in Steilwände geschlagen, eine schmale Brücke überquert eine 40m tiefe Klamm und hinter einem Wasserfall wurde für den Trail ein Tunnel in den Fels gesprengt. RegenwaldDer Pacific Crest Trail wurde übrigens in den siebziger Jahren über das Benson Plateau weiter im Osten umgeleitet, um den immer populärer werdenden Eagle Creek Trail zu entlasten. Viele PCT-Hiker gehen aber dennoch den kleinen Umweg entlang des Eagle Creek. Der Aufwand beim Trailbau hat sich auf jeden Fall gelohnt: der Eagle Creek Trail bietet wunderbare Aussichten ist aber trotzdem sehr angenehm zu laufen, da es auf dem ganzen Weg keine großen Steigungen gibt. Das sollte ihn eigentlich zu einem perfekten Trail auch für Kinder und nicht so geübte Wanderer machen. Es gibt allerdings ein grosses ABER. Wenn man einen Trail durch eine senkrechte Felswand baut, dann sieht das am Ende so aus, dass es einen gut einen Meter breiten Pfad gibt, links geht es senkrecht nach oben und rechts geht es senkrecht nach unten. Da an der Bergseite Stahlkabel zum Festhalten in der Wand verankert sind, ist das alles völlig gefahrlos zu laufen. Wenn jemand allerdings Höhenangst hat, dürfte das wohl ein größerer Horrortrip sein als jeder Splattermovie. Und selbst wer nicht an Höhenangst leidet, sich aber mit kleinen Kindern auf den Weg gemacht hat, dürfte angesichts des fröhlich am Abgrund entlanghopsenden Nachwuchses den kalten Angstschweiss auf der Stirn spüren. Daher würde ich es mir in den beiden Fällen sehr gut überlegen, ob ich den Trail laufe. Ich hoffe ein paar Bilder helfen bei der Einschätzung (zum Vergrößern anklicken):Trail

Für alle anderen bietet der Trail für jede Kragenweite und jeden Fitness-Level etwas vom kurzen Reinschnuppern in das Tal, über einen einfachen Hike zu einem Wasserfall bis hin zu einer ganztägigen Wanderung oder gar einem mehrtägigen Backpacking-Trip. Und das kann man je nach Lust und Laune noch auf dem Trail entscheiden. Wenn man meint, dass es gut ist, dreht man einfach um. Ich will meine Beschreibung des Eagle Creek Trails in zwei Teile aufteilen, damit der Text nicht noch länger wird als er ohnehin schon ist. In diesem Artikel will ich die wohl populärste Option beschreiben, die zu den Punchbowl Falls knapp zwei Meilen vom Trailhead entfernt führt. Den weiteren Verlauf des Trails jenseits der Punchbowl Falls werde ich in einem weiteren Posting beschreiben.

LachseDa der Trail wie gesagt recht beliebt ist, lohnt es sich vor allem an Wochenenden sehr früh  zu erscheinen, da der kleine Parkplatz direkt am Trailhead schnell voll ist. Dort gibt es dann auch die übliche Box, wo man die 5$ Trailgebühr bezahlen kann. Es werden auch der Northwest Forest Pass oder der National Park Pass akzeptiert. Im Herbst sollte man auf jeden Fall als erstes direkt am Parkplatz einen Blick in den Fluss werfen, da der Eagle Creek ein Lachsfluss ist und die Coho-Lachse, die auch als Silberlachse bekannt sind, meist Mitte/Ende Oktober den Fluss hinaufwandern um dort zu laichen. Springende LachseWenn man Glück hat und genau zur richtigen Zeit dort ist, kann man die Fische  über den kleinen Wasserfall am  Wehr direkt neben dem Parkplatz springen sehen. Dann lohnt es sich auch die Strasse zum Trailhead wieder ein paar hundert Meter zurückzugehen (oder zu fahren) und die Lachse von der kleinen Hängebrücke über die der Gorge-Trail #400 führt zu beobachten, da man dort einen Blick auf flache Kiesbetten im Fluss hat, in denen die Lachse ablaichen. Mit ein wenig Geduld sieht man dann wie der Fisch eine milchige Wolke in das Wasser verteilt. Pazifische Lachse sterben ausnahmslos nach dem Laichen und so ist das Ufer und das Flussbett des Eagle Creek in der Zeit von toten Fischen übersät, die dem Ökosystem wertvolle Nährstoffe  zuführen und damit auch für den Namen des Flusses verantwortlich sind, denn die Adler sind dann natürlich auch dort, um lecker Lachs zu essen. Also im Herbst durchaus mal einen Blick in die Bäume riskieren, vielleicht hat man Glück und sieht einen Weisskopfseeadler.

Versteinerter BaumWenn man die Lachse bewundert hat oder zur falschen Zeit für Lachse unterwegs ist, dann kann man sich auf den eigentlichen Trail machen. Und keine 200m vom Trailhead entfernt in der ersten grossen Kurve des Flusses hinter der kleinen Holzbrücke lohnt es sich gleich schon aufmerksam zu sein, denn auf der Bergseite kann man einen aufrecht stehenden versteinerten Baumstamm entdecken, dessen vordere Hälfte verwittert ist. Ich weiss nicht wie oft ich an dem schon blind vorbeigelaufen bin, aber wenn man ihn einmal gesehen hat, ist er eigentlich nicht zu verfehlen und man fragt sich, warum man den nicht schon früher entdeckt hat. Ein wenig weiter ist etwas über Kopfhöhe sogar noch ein zweiter Baum aus Stein waagerecht in der Wand zu finden, denn hier am Eagle Creek in der Mitte der Gorge hat sich die dicke Basaltschicht, die über der Gorge liegt durch die Auffaltung der Cascades so weit gehoben, dass auf der ersten Meile des Trails die darunterliegende aus Asche und Schlamm enstandene Schicht sichtbar wird, in der es so einige Fossilien zu entdecken gibt. Diese geologische Schicht trägt dann auch passenderweise den Namen Eagle Creek Formation. Anschliessend taucht man langsam in den Zauberwald ein. Alte Western Red Cedars (die streng botanisch gar keine Zedern sondern Thujas sind), moosbewachsene Eichen, die z.T. sogar über einem aus der Felswand wachsen oder Ahorn, der im Herbst für wunderbare Farben sorgt. Und alles mit einem mehr oder weniger dichten Teppich von Moos und Flechten bedeckt.

Herbstwald

Der gleichmässig ansteigende Pfad geht immer höher und höher über den Fluss hinaus bis dann etwa eine Meile vom Trailhead entfernt die ersten beiden erwähnten schmalen Wege in der Felswand kommen. Außer im Sommer gibt es hier einige Stellen wo man eine kleine Dusche von den Felsen über einem kaum verhindern kann.

Metlako FallsWenn die steilen Stellen passiert sind und es etwas vom Fluss weg in den Wald hineingeht, heisst es wieder aufmerksam sein, damit man den, nur mit einem kleinen Holzschild an einem Baum markierten, kurzen Seitenweg nach rechts zum Aussichtspunkt an den Metlako Falls nicht verpasst. Die Metlako Falls sind mit 30m Höhe der letzte grosse Wasserfall des Eagle Creek vor der Mündung und wenn man sich den Wasserfall ansieht, dann ist bei allem Respekt vor der Sprungkraft der Lachse klar, dass für diese an den Fällen das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Daher wurde der Wasserfall auch nach der indianischen Gottheit der Lachse mit dem Namen Metlako benannt. Weiter oben im Fluss gibt es dann höchstens nur noch Forellen. Und so verrückt es auch klingt, aber die Fälle erfreuen sich auch bei Kajakern einer gewissen Beliebtheit, die im Frühjahr Metlako und Punchbowl Falls hinunterfahren. Ist schon ein wenig skurril wenn einem Leute mit einem Boot auf dem Buckel auf dem Trail entgegenkommen.

Metlako FallsDer Wasserfall stürzt sich in einem wunderbaren Bogen seitlich in eine lange steile Klamm hinein, über deren Wand sich der Aussichtspunkt etwa 200m von dem Fall entfernt befindet. Da das ganze nur von einer recht wackeligen Drahtreling gesichert ist und die Fotoperspektive wegen der Bäume im Vordergrund umso besser wird je weiter man sich über den Zaun hinweglehnt, sollte man an dem Aussichtspunkt sehr vorsichtig sein. Die besten Fotos von den Fällen macht man wie üblich bei bedecktem Himmel. Sollte man an einem sonnigen Tag unterwegs sein, empfiehlt es sich den Viewpoint auf em Rückweg anzusteuern. Je später am Tag desto mehr Bäume um den Wasserfall herum liegen im Schatten und man vermeidet starke Kontraste. Wenn man ein wenig Glück hat bildet sich eine kleine Gischtwolke über den Fällen der sogenannte „Metlako Mist“.

Metlako FallsDer Aussichtspunkt ist die einzige „offzielle“ Möglichkeit die Fälle zu beobachten. Für Leute, die ein wenig abenteuerlustig sind, will ich hier noch zwei weitere erwähnen. Alle anderen können den folgenden Absatz getrost überspringen. Für die erste „inoffizielle“ Aussicht geht es wieder zurück auf den Trail. Wenn man die Fälle direkt neben sich durch die Bäume hört, findet man einen kleinen steilen Trampelpfad, den man vorsichtig den Hang hinabklettern bzw. -rutschen kann, um Metlako Falls direkt von vorne zu sehen. Diese Persepktive ist besonders bei den Fotografen der Kajaker sehr beliebt, da man dort das „Opfer“ schon früh auf dem Fluss auf die Fälle zufahren sieht. Da man aber direkt von vorne den eleganten Bogen der Fälle nicht sieht und dazu ohne Drahtreling oder irgendeine Sicherung oben an der Wand der Klamm rumklettert, würde ich davon eher abraten. Es lohnt sich einfach nicht. Metlako FallsDie zweite Möglichkeit ist zwar vielleicht sogar noch ein wenig riskanter, dafür liefert sie aber einen wirklich besonderen Blickwinkel auf die Fälle. Folgt man dem Haupttrail nach dem Abzweig zum Metlako Viewpoint aus ein wenig weiter, kommt man zum Sorenson Creek, den man auf grossen runden Betonplatten, die fast ein wenig wie Kanaldeckel aussehen, überquert. Direkt danach erreicht man den Seitentrail zu den Punchbowl Falls. Aber wo dieser Trail nach links hinab zu den Punchbowl Falls abknickt schlägt man sich rechts in die Büsche. Es ist zu erkennen, dass man nicht der erste ist, der diesen Weg nimmt, aber einen richtigen Pfad gibt es dort nicht. Dann geht es den Hang hinab wobei man sich im Zweifel eher immer etwas rechts hält. Das ist ein Gekletter und Gerutsche durch ein feuchtes Gebüsch oberhalb einer Schlucht. Wer so etwas vorher noch nicht gemacht hat, sollte vielleicht nicht dort damit anfangen. Am Ende der Klettertour kommt man wieder zum Sorenson Creek der sich dort in einem versteckten Wasserfall gegenüber von den Metlako Falls in die Klamm stürzt. Von Felsen in diesem Bach direkt oberhalb des Wasserfalls aus hat man nun eine einmalige Aussicht auf die Metlako Falls in der Schlucht im Hintergrund mit dem kleinen Sorenson Creek im Vordergrund. Dabei sollte man dort aber extrem vorsichtig sein. Nasse bemooste Steine, über die ein Fluss fliesst, sind rutschig wie Glatteis. Wenn man sich nicht 100%ig sicher fühlt, sollte man lieber nicht weitergehen, kein Foto ist einen Sturz in die Schlucht wert.

Punchbowl FallsWem der Sinn nicht nach irgendwelchen Kletterpartien steht, für den stehen als nächstes die etwa 10m hohen Punchbowl Falls auf dem Programm. Auch hier gibt es drei Möglichkeiten die Fälle anzusehen. Oder ich sollte besser sagen es gab drei, denn der Pfad, der zu einem Felsvorsprung direkt oberhalb der Fälle führt, ist inzwischen gesperrt worden. Die offizielle Begründung ist, dass sich die Vegetation erholen soll. Ich denke aber, es hat vor allem damit zu tun, dass im Sommer Leute regelmässig von dort aus in den Pool unter den Fällen gesprungen sind, was immer wieder zu Verletzten und leider auch Toten geführt hat. Die Rettungskräfte sind im Sommer öfter auf dem Eagle Creek Trail unterwegs als ihnen lieb ist und wenn die Sperrung hilft, dann finde ich das nur verständlich. Die beiden nach wie vor zugänglichen Aussichten auf die Fälle sind ohnehin die schöneren.

Punchbowl FallsDen unteren Aussichtspunkt erreicht man über einen kurzen, etwas steileren Stichtrail, der – wie schon erwähnt – kurz nachdem man den Sorenson Creek überquert hat nach rechts vom Haupttrail zum Fluss hinunter abzweigt. Er endet auf einem grossen Kiesbett neben dem Fluss. Neben dem Ende des Trail fällt der Eagle Creek über eine etwa fünf Meter Hohe Stufe im Basalt, die Lower Punchbowl Falls. An anderer Stelle würden sie vielleicht Interesse hervorrufen, aber direkt neben einem der schönsten Wasserfälle des Nordwestens finden sie wenn überhaupt nur kurz Beachtung. Die Punchbowl Falls sind als dankbares Fotomotiv der feuchte Traum eines jeden Fotografen. Sie zieren nicht nur unzählige USA-Bildbände und Fotokalender, sondern sind z.B. auch auf 70er Jahre Rock-Alben zu finden oder illustrieren schlechte Internet-Witze. Allerdings kann es vor Ort durchaus passieren, dass der Begriff „feuchter Traum“ noch eine zweite ganz andere Bedeutung bekommt. Ausser im Sommer und frühen Herbst, wenn der Wasserstand des Flusses niedrig ist, kann man nämlich vom Kiesbett neben dem Fluss aus den Wasserfall gar nicht sehen. PunchbowlMan muss also ein wenig in den Fluss hineingehen, um in den Kessel – bzw. die Punschschüssel – mit dem Wasserfall hineinsehen zu können. Meistens haben irgendwelche Heinzelmännchen schon einen Damm aus Steinen gebaut, von dem aus man dann mit ein wenig Balance trockenen Fußes den Wasserfall geniessen und fotografieren kann. Im Winter und Frühjahr bei viel Wasser im Fluss hilft das aber alles nichts. Wenn man dann keine hohen Gummistiefel anhat, gibt es nur eine Möglichkeit den Wasserfall zu sehen: Schuhe und Socken aus, Hosenbeine hochkrempeln, sich ein paar warme Gedanken machen und rein in den Fluss. Kneipp-Kuren sollen ja gesund sein. Punchbowl FallsIch finde am besten sieht der Wasserfall allerdings im Herbst aus, wenn nicht ganz so viel Wasser im Fluss ist und die Fälle höher und ein wenig schlanker sind. Dazu geben die gelben Herbstblätter auf dem Kies einen schönen Vordergrund ab. Wenn man an einem sonnigen Tag unterwegs ist, werden die Lichtverhältnisse besser je später man dort ist, da dann der Wasserfall und die Bäume drum herum im Schatten liegen.

Leider ist im Frühjahr 2014 wieder ein Baum vom Rand abgestürzt und liegt seither in der Punchbowl. Ein Ast verdeckt dabei den Wasserfall teilweise. Das ist nicht das erste Mal dass das passiert. Vom Ende der Neunziger bis zu einem Wintersturm im Jahre 2009 verdeckte schon einmal ein Baumstamm für über 10 Jahre die Postkartenansicht der Fälle. Ich hoffe doch sehr, dass der neue Stamm diesmal kein so grosses Beharrungsvermögen zeigt.

Punchbowl FallsDer zweite derzeit zugängliche Aussichtspunkt auf die Punchbowl Falls liegt direkt am Haupttrail. Etwa 250m nach dem Abzweig des Stichtrails kommt man zu einer Stelle, von wo aus man hinter einem Zaun stehend einen Blick von oben auf die Fälle hat. Leider ist das Unterholz seit Errichtung des Viewpoints so sehr gewachsen, dass man immer Zweige oder Blätter im Bild hat, wenn man ein Wasserfall-Foto von hinter dem Zaun aufnehmen will. Allerdings kann man unter dem Zaun durch noch auf eine kleine Plattform oberhalb des Kessels runtergehen, von der aus man freie Sicht auf die Fälle hat. Dort gibt es allerdings keine Sicherung. Die Fläche ist aber gross genug, dass man das dennoch ziemlich gefahrlos machen kann. Der Anblick lohnt sich, kann aber vielleicht nicht ganz mit der Perspektive vom unteren Viewpoint mithalten. Da es nur ein paar hundert Meter extra zum oberen Aussichtspunkt sind sollte man so oder so beide Aussichten auf jeden Fall mitnehmen.

Wenn man an den Punchbowl Falls umkehrt, wie es wohl die Mehrheit macht, dann hat man am Ende des Hikes zurück am Parkplatz knapp 4 Meilen zurückgelegt und eher bescheidene 500 Fuss (~150m) Höhenunterschied bewältigt. Ein relativ einfacher Hike. Wem der Sinn nach mehr steht der hat die Option den Trail weiter bis zur High Bridge, den Tunnel bzw. Twisted Falls oder sogar noch weiter zu gehen. Das werde ich hier jetzt nicht mehr beschreiben, sondern zum Thema eines weiteren Posts zum Eagle Creek machen.

Wann am besten hin?

Enchanted GorgeWenn das Wetter schlecht ist! Der Märchenwald am Eagle Creek ist am schönsten, wenn es vom Moos an den Bäumen tropft, Nebelschwaden durch das Tal ziehen und die ganze Landschaft eine magische Stimmung bekommt. Der Bestseller der vom mythischen Feenland der Kelten handelt, heisst ja auch nicht umsonst „Die Nebel von Avalon“ und nicht „Sonnenschein in Avalon“. Von den Jahreszeiten ist der Herbst dort mein Favorit. Besonders in der Zeit von Mitte Oktober bis Anfang November, wenn die Lachse springen, die Bäume in bunten Herbstfarben erstrahlen und die Wasserfälle sich nach dem trockenen Sommer wieder zu füllen beginnen, ist ein Besuch am Eagle Creek ein Naturerlebnis erster Klasse, das sich vor keinem anderen Hike im gesamten Nordwesten verstecken müsste. Da muss sich selbst das Frühjahr und da sogar der April mit dem frischen Grün überall und den zum Bersten gefüllten Wasserfällen knapp dahinter einreihen. Aber auch der Winter hat seine eigene durchaus lohnende Stimmung, wenn der Nebel um die kahlen Bäume mit den langen Flechten wabert.

Wann lieber nicht hin?

Eigentlich will ich zu keiner Jahreszeit von einem Hike am Eagle Creek abraten, aber wer den Eagle Creek schon zu einer anderen Jahreszeit kennengelernt hat, der wird im Spätsommer vielleicht von dem Trail ein wenig enttäuscht sein. Das grüne Moos ist dann vertrocknet und braun und die Wasserfälle werden recht dünn. Die Zauberwald-Atmosphäre will da dann nicht mehr so recht aufkommen. Dazu wird es an Sommerwochenenden auch sehr voll auf dem Trail.  An den Punchbowl Falls kann dann fast schon eine Art Baggerseegefühl aufkommen mit Familien auf der Picknickdecke, fröhlich Badenden und einer Menge Kaltgetränken. Aber wenn man nun mal zu der Zeit die Gorge besucht, ist der Trail selbst dann noch einen Besuch wert.

An sehr kalten Wintertagen kann der feuchte Trail eisig werden. Dann sollte man sich sehr gut überlegen ob man auf einem schmalen vereisten Pfad neben einem steilen Abgrund unterwegs sein will und im Zweifel lieber auf den Hike verzichten.

Wie kommt man hin?

Eagle CreekEagle Creek erreicht man über die Ausfahrt 41 „Eagle Creek Recreation Area“ des I-84, die allerdings nur eine Auf- und Abfahrt zur Autobahn Richtung Osten hat. Wenn man von Osten her kommt, also z.B. Hood River oder Cascade Locks dann muss man bis zur Ausfahrt 40 „Bonneville Dam“ fahren, wo man auf die Autobahn in Gegenfahrrichtung wechselt und zur Ausfahrt 41 am Eagle Creek zurück fährt. Wenn man nach dem Hike Richtung Westen also Troutdale oder Portland weiter fahren möchte, dann muss man analog bis zur Ausfahrt 44 „Cascade Locks“ nach Osten fahren, wo man dann auf den I-84 Richtung Westen wechseln kann. Direkt an der Abfahrt liegt die Eagle Creek Fish Hatchery, von wo aus man dann etwa eine halbe Meile Richtung Süden am Eagle Creek entlang zum Parkplatz am Trailhead fährt. An Wochenenden kann der kleinere Parkplatz direkt am Trailhead schnell voll sein, dann muss man sein Glück auf dem zweiten grösseren Parkplatz auf halben Weg zwischen der Hatchery und dem Trailhead versuchen. Auch an der Hatchery sind zur Not noch eine Menge Parkplätze. Der Parkplatz direkt am Trailhead hat leider einen sehr schlechten Ruf, was Einbrüche in Autos angeht. Bei einer Tagestour am Eagle Creek ist das kein Problem, da tagsüber am Trailhead immer genug los ist, um Diebe abzuschrecken, aber wer einen mehrtägigen Backpacking-Trip plant oder erst nach Sonnenuntergang im Dunklen zurückkommen will, sollte überlegen sicherheitshalber an der Hatchery zu parken.

Meine Meinung

RegenwaldWenn man auf seiner Nordwestreise Wetterpech hat und ein paar Tage mit grauem Himmel und Regen hat, was durchaus öfter mal vorkommt, sollte man den Kopf nicht hängen lassen, sondern stattdessen eher glücklich sein, dass man das perfekte Wetter für den schönsten Hike der Gorge erwischt hat. Die Märchenwaldstimmung ist auf Fotos nur schwer zu vermitteln, aber ich verspreche, niemand wird von dem Hike enttäuscht sein.

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3 Antworten zu Eagle Creek Trail (Teil1: bis Punchbowl Falls)

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  3. Michael Lauer schreibt:

    Klasse Beschreibung, Sönke! Danke dafür!

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